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Beobachtungen in Riyadh Teil II

Wenn ich schon so nett gebeten werden doch noch ein wenig mehr aus Saudi zu berichten, dann werde ich dieser Bitte auch gerne nachkommen. Um das Ganze knackig und kompakt zu halten einmal ein kleine Auflistung von weiteren Beobachtungen seit meiner letzten Berichterstattung:

  • Meinem Fahrstil nach zur Urteilen, dürfte ich mittlerweile als Saudi durchgehen. Ich nutze den Blinker nur noch wenn es mir absolut notwendig erscheint. Beispielsweise um auf der Autobahn zu signalisieren das mein Auto eigentlich noch schneller könnte. Auch ertappe ich mich immer öfter dabei den Abstand zum Vordermann auf das minimal Mögliche zu reduzieren. So das auch ja niemand auf die Idee kommen könnte doch noch einzuscheren. Ebenfalls ist rechts Ãœberholen aus meiner Sicht keine Straftat mehr.
  • Eventuell hängt mein Fahrstil auch mit meinem Mietauto zusammen. Toyota Camry Fahrer sind, ohne das ich jetzt masslos Ãœbertreiben würde, die mit weitem Abstand chaotischsten Fahrer in Riyadh. Frogger-artige Spurwechsel oder bei Tiefrot über die Ampel sind da fast noch eher die harmlosen Varianten.
  • Das man mit dieser Fahrweise hier überhaupt durch kommt ist eigentlich umso verwunderlicher, wenn man bedenkt, das die Polizei mit einer Vielzahl von Zivilstreifen unterwegs ist, immer auf der Jagd nach Verkehrssündern. Auf meinem Heimweg am Abend sehe ich minimum 3-4 Zivilstreifen am Straßenrand stehen, die übermütige Autofahrer zur Ordnung rufen. An dieser Stelle sei einmal darauf hingewiesen, das man(n) bei einer Geschwindigkeitsüberschreitung von ca. 30 Km/h (Limit sind 120 Km/h) an Ort und Stelle sein Auto abstellen darf um für eine Nacht hinter schwedischen Gardinen zu nächtigen. Da gibt es keine Ausnahme – auch nicht für deutsche Expats.
  • Wo ist meine Frau? In manchen der Malls hier in Riyadh gibt es sogenannte “Family Times”. Das bedeutet das (jugendliche) Single Männer keinen Zutritt in dieser Zeit haben. Ob Expats da ausgenommen sind, ist irgendwie nicht so richtig klar. Meist liegen diese Family Times auch zu den beliebtesten Einkaufszeiten am Wochenende. Natürlich ein absolutes Ärgernis aus meiner Sicht. Schließlich konnte ich meine Freundin bislang noch nicht dazu überreden mit mir nach Saudi zu kommen. Mein bisheriger Trick doch in die Mall zu gelangen? Dem Wachposten einfach auf Deutsch erklären das morgen Schnee fällt und Benzin teuer wird.
  • Mal so als Randnotiz bemerkt. Es gibt in Riyadh keine Kinos, Clubs, Bars, Discotheken, Theater, Konzerte, Nahverkssystem, … Vielleicht ja nicht so ganz unwichtig für den Einen oder Anderen Leser meines Blogs bevor er seine Buchung für den 2-wöchigen Riyadh Urlaub abschließt.
  • Um jetzt aber nicht sofort den falschen Eindruck entstehen zu lassen. Mir persönlich (die einzige wirklich subjektive Meinung in diesem gesamten Artikel) gefällt es besser als in Teheran. Ich war ja im letzten Jahr für knapp 3-Monate im Iran und kann daher sicherlich recht gut aus eigener Erfahrung einen solchen Vergleich ziehen. Aus meiner Sicht ist die Wahrnehmung Saudi Arabiens im Ausland zu stark verzehrt. Sicherlich ist Saudi keine Demokratie auch gibt es die Todesstrafe und die ultra strike Geschlechtertrennung ist auch nur sehr schwer nachzuvollziehen, jedoch sollte man sich einmal vor Ort selbst ein Bild von der Situation machen um dann zu urteilen. Ich für meinen Teil komme hier bislang recht gut zurecht.

7 replies on “Beobachtungen in Riyadh Teil II”

Ein normaler Arbeitstag schaut so aus:

7:00 Aufstehen

7:30 Fahrt zum Office

8:00 Arbeitsanfang

12:30 Mittagessen

19:30 Feierabend

20:00 Zurück im Appartment

>20:00 Einkaufen, Gym, Fernsehen, Programmieren, DVDs schauen und Musik hören, Chatten, Shoppen oder Essen gehen.

Ha ha, Witzbold… "Wo ist meine Frau?"??? Na wo wohl?! Und du konntest mich noch nicht überreden, mit nach Riyadh zu kommen? Wie willst du mich denn da einschmuggeln? 🙂

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